05. November 2019 – Nachtschicht

„Doch, da gabs a berühmte Fremdenlegionärin, d’erste“, erklärte Lukas. „Guad, gleichzeitig a die Letzte, aber mei, ’d Nadine nehman’s a. Die is zach.“
„Ich weiß ja nicht, ob das eine so gute Idee – -“
„Doch, die gem dir a a neue Identität, wanst mogst.“
Daniel klopfte Lukas auf’s Knie. „Das ist lieb gemeint Lukas. Ich hab ja auch gesagt, dass ich um sie kämpfen werde, und bis ans Ende der Welt für sie gehe, aber vielleicht nicht gar so wörtlich? Ich möchte hier meine Schlachten schlagen, nicht in den Dschungel flüchten.“
Immerhin lächelte Daniel endlich wieder. Das war zwar noch immer kein Plan, aber ein Anfang. Nur wenn es in dem Tempo weiter gegangen wäre, dann hätten sich Daniel und Nadine bis heute nicht wieder gesehen.
Aber dann kam ja ihr Brief bei mir an.

Schwester Anita hat mir heute nicht mal Tee angeboten. Schwein gehabt. Aber ein bisschen eingeschnappt scheint sie zu sein. Ist ihr wohl was über die Leber gelaufen. Gut so. Für mich.

Es war am nächsten Morgen gewesen, einem Samstag, als es früh an der Tür klingelte. Zu früh für Daniel oder Lukas, obwohl wir ja gestern früher Schluss machen mussten, als gewöhnlich. Nur deshalb habe ich die Klingel wahrscheinlich überhaupt gehört. Normalerweise wäre ich um die Zeit wahrscheinlich eher noch wach gewesen, als schon wieder. In meinem trotz der langen Nacht noch unausgeschlafenen Kopf hatte ich kurz die Hoffnung, es könnte wieder Nadine vor meiner Tür stehen. Es war ja noch nicht so lange her, da… Also hastete ich wie damals (mit nur leicht verkatertem Kopf) die Treppe runter, und stand dann ziemlich enttäuscht vor dem Tankwart der Agip-Tankstelle, neben der unser Haus stand.
„Ja bitte“, fragte ich überrascht und putzte sicherheitshalber nochmal die Gläser meiner Brille, aber es war danach immer noch der Typ von der Tanke, nur ungeduldiger.
„Wie hoast denn du mit Vornamen?“, fragte er mißtrauisch.
„Was? Wieso?“
„Mei, jetzt sog hoid einfach wiast hoast“, maulte der Tankwart genervt. „I hob ned den ganzn Tag Zeit, zefix.“
„Johann. Zufrieden?“
„Ja“, sagte er und klatschte mir mit Nachdruck einen Brief in die Hand. „Der da is für di.“
Ich sah auf den Briefumschlag in meinen Händen. Er war an die Agip Tankstelle adressiert, Ortenburg Straße 40, 8358 Vilshofen. Die Schrift hatte allerdings etwas unmittelbar Vertrautes, das mir das Herz schneller klopfen ließ. Ich hätte ihre Handschrift auf allen Anträgen im Lager sofort als die ihre wieder erkannt. Dort stand der Name zwar gleich links oben, aber ich hatte sie schreiben sehen, war ihrer Hand über das Blatt gefolgt, wie sich ihre Finger um den Kugelschreiber gelegt hatten…
„Das ist doch für euch?“, sagte ich mehr zu mir selbst.
Der Tankwart stapfte weiter und winkte ab. „Na, schaug hoid eine.“
Da war ein kleinerer Umschlag im ersten, und der war an ‘Johann vom Nachbarhaus zur Linken’ adressiert.

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