14.06.20

Lukas schreibt, dass sie es sich überlegen. Er sei dafür. Corona in einer Kleinstadt, wo man schon vorher kaum irgendwohin konnte, plus Babykoller zu Hause mache jedes Hirn mürbe.
Außerdem hätte er noch schlechte Neuigkeiten für mich: die Wandbilder auf dem großen Pausenhof gibt es nicht mehr. Nicht einmal mehr die Betonwände. Er versuchte mich damit zu trösten, dass er herausfinden wolle, ob es vielleicht wenigstens Fotos von ihnen gab. Ich würde es so gerne glauben. Erst fehlten nur den Malereien die Fluchtpunkte, und jetzt den Schülern durch ihren Verlust gleich jede Perspektive. Jede noch so kleine Flucht unterbunden.
Gerne würde ich noch einmal dieses Bild sehen, ein letztes Mal den Kontakt suchen, um meinem jüngeren Ich durch die Zeit zuflüstern zu können, dass ich es durch diese Hölle geschafft habe, dass es Sterne über der Rakete, hinter der Betondecke gab, die man erreichen konnte. Vielleicht keine exotischen Planeten, aber so viel mehr Leben, als von wo sie gestartet war. Wer jetzt an diese Schule kam, musste seine Träume selbst mitbringen, denn hier gibt es nichts mehr zu sehen, das einen inspirieren könnte, und blieb. Außer den Pokalen und eingerahmte Urkunden in Vitrinen, aber die gab es auch schon damals und legten nur Zeugnis darüber ab, dass jemand besiegt wurde. Gerahmte Kursergebnisse auf den Gängen wechselten jedes Jahr, aber diese Betondinger? Die versprachen Ewigkeit. Eine Marsmission wäre heute schneller wieder zurück, als man als Schüler das Gymnasium durchläuft. Es blieben sogar Jahre übrig. Und alles das zu einer Zeit, in der sie für einen sowieso langsamer vergeht. Wir durchliefen kein Training wie in der „Biosphäre 2“, waren aber genauso von der Außenwelt isoliert.

Ausgerechnet heute, wo ich mit Walentyna verabredet bin muss es bewölkt sein. Zu mir nach Hause will ich sie nicht einladen, so wie es hier gerade riecht. Das kriege ich nicht einfach gelüftet. Der Schweiß klebt geradezu in der Luft fest. Erst schifft es, dann war es zu heiß, und jetzt habe ich den Salat, anstatt einen Proberaum. Könnte mich natürlich beim Aixcentric auf die Warteliste setzen, aber da käme ich mir wie der alter Sack vor, der ich bin, und dann auch noch dem Nachwuchs die Räume blockiert … oder ich finanziere wem einen Raum, den ich dann nur mitnutze? Das ist gar keine üble Idee. Damit könnte ich mich auch ans AZ wenden. Aber wohin soll es stattdessen heute gehen?
Ins Kino mag ich nicht, wenn wir einen Platz zwischen uns frei lassen müssen. In die Thermen will ich auch nicht, wer weiß ob der Aufenthalt dort das Tröpfcheninfektionsrisiko nicht erhöht? An Feuchtigkeit mangelt es dort ja nicht gerade.
Warum eigentlich nicht im Zoo? Da konnte man sich zur Not ins Affenhaus verziehen, wenn es draußen aus Kübeln gießt. Andererseits riecht es dort noch strenger, als gerade hier. Trotzdem war es einen Versuch wert, also textete ich ihr schnell den Vorschlag, und sie nahm an. Lag ja quasi auf halber Strecke zwischen uns, wie der perfekte Kompromiss.

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