14.03.20

Das würde ich so gerne den Zwillingen erzählen: Heute Nacht hatte ich einen richtigen Wachtraum. Nicht über Lichtschalter, sondern weil ich kein Feuerzeug bei mir hatte, um mir die Kippe anzuzünden. Das war aber eh besser so, weil es in der Schule nach Gas roch, vielleicht auch Benzin, irgendein entzündlicher Treibstoff halt. Ich hätte gerne jemanden gefragt, aber da war niemand. Also machte ich die Augen im Traum zu und sagte mir, dass ich dort sei, wo der Geruch her kommt, wenn ich sie wieder aufmache. Dann stand ich in der alten Turnhalle neben einem nach Schweiß müffelnden Mattenwagen. Die würden niemals brennen, wusste ich.
Mach ich halt was anderes, dachte ich mir und schwang mich in die Luft, als würde ich durch Wasser tauchen, indem ich mich einfach vom Boden abdrückte. Ich flog in Kreisen durch die Turnhalle, stupste die unter der Decke hängenden Ringe an, spuckte von oben durch die Baseballkörbe und reckte mich gerade nach hinten für einen Looping, als es mir an den Füßen kalt wurde. Ich öffnete meine Augen unter der Bettdecke, wo es dunkel blieb, als ich sie wieder schloss war ich zurück in der Turnhalle, dann setzte ich mich im Bett auf und war hellwach im Dunkeln. Schade.
Ich könnte es ihnen schreiben. Aber zu noch mehr Schreiben fehlt mir die Kraft. Und fehlen tun sie mir auch. Sehr.

Was machen denn jetzt die Eltern mit den Kindern zu Hause?
Wobei, auch bei uns ist das Besuchsrecht eingeschränkt und wir müssen manche Kinder vertrösten, wo kein Elternteil hier mit übernachtet. Also kein Unterschied zu vorher, aber die Alters- und Pflegeheimbewohner trifft es hart. Jedoch Aufatmen bei deren
Angehörigen.

Die Italiener haben gestern zusammen die Nationalhymne auf ihren Balkonen und an den Fenster gesungen. Heute ist das Lied dran, das viele bei uns dafür halten.

© Jens Prausnitz 2023

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