Erste Reaktion des BR

Heute, um 16:44 ging bei mir ein Schreiben vom Bayerischen Rundfunk ein, von ihrem Pressesprecher Christian Nitsche. Das ist insofern bemerkenswert, da ich ihm nie geschrieben habe. Trotzdem freue ich mich über dieses erste Schreiben, dessen Enthusiasmus ich wie versprochen umgehend mit den Lesern dieses Blogs teilen möchte:

Sehr geehrter Herr Prausnitz,

haben Sie vielen Dank für Ihre Anfrage.

Unser Programmbereich Spiel-Film-Serie erhält pro Jahr etwa 3000 Stoffvorschläge, die es zu sichten und zu beurteilen gilt, sie werden in regelmäßigen Sitzungen unserer Redakteure besprochen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihr Filmanliegen, das Sie im Juni erstmalig bei uns vorgetragen haben, bis dato noch nicht prüfen konnten. Sie erhalten Bescheid, sobald wir uns genauer mit Ihrem Anliegen befassen konnten.

Mit freundlichen Grüßen

Christian Nitsche

Pressesprecher

Selbstverständlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, umgehend auf diese E-Mail zu antworten, so geschehen um 17:16 im folgenden Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Nitsche,

vielen Dank für Ihre prompte Antwort, obwohl ich mich nicht erinnere Ihnen überhaupt geschrieben zu haben. Trotzdem freue ich mich darüber, dass Sie sich die Zeit genommen haben mir zu antworten. Allerdings wirft diese neue Fragen auf, die ich Sie zu beantworten bitten möchte:

1) 3000 Stoffvorschläge pro Jahr sagen Sie? Sehr eindrucksvoll… aber können Sie diese Zahl belegen und einen entsprechenden Link beisteuern? Gerne akzeptiere ich einen Geschäftsbericht aus einem beliebigen Jahr nach 2000.

2) Mich würde jetzt zum Beispiel brennend interessieren, in welcher Form und bei wem diese 3000 Stoffvorschläge denn eingehen. Es gibt weder beim BR (noch bei einem anderen Sender) einen konkreten Ansprechpartner, der für neue Stoffe zuständig ist – falls doch, lassen Sie mich bitte wissen, an wen ich mich künftig zu wenden habe, denn das beabsichtige ich in regelmäßigen Intervallen zu tun. Ich weiß an welche Personen in ihrem Haus ich mein Projekt geschickt habe, Sie haben allerdings versäumt mich darauf hin zu weisen, auf wessen Schreibtisch mein „Stoff“ tatsächlich liegt.

3) Dann hätte ich gerne in Erfahrung gebracht, welche Eingangsnummer/Kennzeichnung ihre Verwaltung meinem Stoff zugeteilt hat – das haben Sie in der Eile möglicherweise vergessen zu erwähnen, muss ich aber im folgenden Briefverkehr sicher angeben.

Da dieses Filmprojekt längst ein öffentliches Anliegen geworden ist, möchte ich Sie hiermit darauf hinweisen, dass ich sowohl ihr Antwortschreiben, als auch meine Antwort darauf auf dem Blog unter www.generation89.de veröffentlichen werde, sowie einem Journalisten der Region und einem Politiker in der Stadtverwaltung eine Kopie dieses Schriftverkehrs zukommen lasse. Als Pressesprecher sind Sie das ja wahrscheinlich gewohnt, trotzdem möchte ich Ihnen bis heute 18:00 Uhr eine Frist zum Widerspruch der Veröffentlichung einräumen. Sollte ich bis dahin nichts mehr von Ihnen hören, betrachte ich das als Genehmigung zur Veröffentlichung dieses kurzen Schriftverkehrs.

Nochmals vielen Dank für Ihr Schreiben.

Mit freundlichen Grüßen,

Jens Prausnitz

Da kein Widerspruch gegen die Veröffentlichung dieses kurzen Schriftverkehrs erhoben wurde, habe ich mein Versprechen gehalten. Die Identität der Zeugen des Schriftverkehrs lasse ich im Dunkeln, da ich sie noch nicht gefragt habe, ob sie mit einer Veröffentlichung einverstanden wären.

Nun noch ein paar klärende Worte:

„Ach so, 3000 Stoffvorschläge im Jahr, ja, na dann kann das ja noch dauern. Da muss man Verständnis haben…“ So oder ähnlich wünscht man sich (übrigens nicht nur) beim BR die Reaktion des Laien. In ähnlicher Form habe ich manchmal Antworten auf meine Exposés bekommen: „Im Augenblick sind unsere Kapazitäten…“, „Haben Sie Verständnis, dass…“, „Für die nächsten 2 Jahre sehen wir keine…“ usw.

Überrascht hat mich die unbedarfte Verwendung einer konkreten Zahl. Selbstverständlich will ich die belegt haben, und noch mehr freue ich mich auf die benötigte Aufschlüsselung. Um nur ein paar der brennendsten Fragen vorweg zu nehmen:

  • An wen wenden sich denn diese 3000 Antragssteller mit ihren Stoffen überhaupt? Ich habe mir die Adressen der Redakteure mühsam im Internet zusammen suchen müssen, denn auf den Seiten des BR sucht man sie vergeblich – es sei denn es handelt sich um Magazinsendungen und dergleichen, aber die können ja nicht gemeint sein, oder?
  • Wie sieht so ein Stoffvorschlag denn aus?
  • Von wem kommen sie überhaupt? Haben wir tatsächlich so viele Autoren?
  • Wie viele dieser 3000 Vorschläge lassen sich als „Jux“ oder aufgrund von Unprofessionalität aussortieren?
  • Wie viele der verbliebenen Stoffe werden näher betrachtet?
  • Und wie viele werden davon jährlich dann tatsächlich produziert?
  • Upsi.

    Selbst angenommen alle 3000 Vorschläge sind gut, dann wären das bei großzügig angenommenen 50 Kalenderwochen gerade mal 60 Stoffe pro Woche, die sich auf wie viele Redaktionen beim BR verteilen? Ehrlich gesagt, das muss doch zu schaffen sein.

    Nur mal so zum Vergleich: Bei meinem WARTBURG-Projekt war es unter anderem nötig die Stasi-Unterlagenbehörde zu kontaktieren, die mehr Anfragen zu bewältigen hat, als diese noch unbewiesenen 3000 beim Bayerischen Rundfunk. Innerhalb einer Woche hatte ich einen konkreten Ansprechpartner sowie ein Aktenzeichen, das im Schriftverkehr stets anzugeben ist.

    Muss ich also annehmen, dass der BR über eine nicht annähernd so effektive Verwaltung verfügt, wie die Stasi-Unterlagenbehörde? Das täte mir Leid, wo es doch dort um realexistierende Personen geht, wo durchaus größere Sorgfalt angebracht ist, und nicht wie bei einem Fernsehsender, bei dem „nur“ fiktionale Stoffe eingereicht werden.

    Wie viele Produktionen gibt aber der BR im Gegenzug selbst in Auftrag?

    Und wie viele werden davon produziert?

    Wie viele waren es noch mal von den „unaufgefordert“ eingereichten?

    So zum Vergleich, meinetwegen auch gerne als Quote?

    Und mit welchem Recht heißt es dann überhaupt öffentlich – rechtliches Fernsehen?

    „Örtliche Resteverwertungsanstalt“ beschriebe es wohl präziser.

    Wobei (immer seltener werdende) Ausnahmen die Regel bestätigen.

    Ich halte Sie auf dem Laufenden.

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